Das Märchen vom Kindertraumland

Autor: ©Bernhard Ganter

Illustrationen: ©Manuela Amode

                                          geschrieben und gewidmet für meine lieben Enkel Amelie, Liah & Dion

   Liebe Kinder, ihr werdet es mir nicht glauben, aber es gibt auf unserer Welt ein geheimnisvolles Land – das sich Kindertraumland nennt. In diesem Land gibt es alles, was sich Kinder nur wünschen. Da gibt es Geschichten von lieben Tieren, Katzen, Hunden, Löwen und Bären, die den Kindern erzählen, dass es keine bösen Tiere gibt, so wie es auch keine bösen Kinder gibt. Der Wolf ist brav, der schwarze Rabe ein lieber Vogel und der Bär ein lieber Freund aller Kinder. In diesem Land gibt es ein wundervolles Schloss, in dem eine sehr schöne Prinzessin wohnt. Sie ist ein wunderschönes und liebreizendes Mädchen in diesem Kindertraumland. Und alle Kinder die in diesem Traumschloss wohnen – denn im Kindertraumland leben nur Kinder – sind ebenso bezaubernd. Erwachsene dürfen da nicht rein, in dieses wunderschöne Land – und die Kinder sind allesamt die besten Freunde, die niemals streiten und niemals böse Worte zueinander sagen.

   Eines Tages passierte es aber, dass ein erwachsener Mensch sich in dieses Traumland der Kinder hineinschlich. Da waren die Mädchen und Buben ganz verängstigt. Und die Kinderprinzessin, die Königin aller Kinder, wollte diesen großen Menschen sofort aus dem Kinderland hinausjagen. Aber dieser versprach ihr, dass er alle Kinder glücklich machen wolle. Er sei nämlich ein großer Zauberer, der alle Wünsche für sie erfüllen könne. So erlaubte ihm die Prinzessin dass er bleiben darf. Aber nur, wenn er ein guter Zauberer sei, der alle Kinder gleich lieb hat. Das versprach der Zauberer sofort, und gab gleich eine Kostprobe seiner Kunst: Er verwandelte den Schlossturm in Schokolade, die Zugbrücke in fein schmeckende Lebkuchen und die Fenster in Zuckerwatte. Das freute die Kinder natürlich. Bald schon aber begannen sich die Kinder um die Süßigkeiten zu streiten, was es bis dahin nie im Kinderschloss gegeben hatte. Das aber wollte der Zauberer. Er hatte in Wirklichkeit nur eines im Sinn: Er wollte als einziger Erwachsener, König des Kinderlandes werden. Und da die Prinzessin ein sehr schönes und gutes Mädchen war, wollte er, dass sie ihn heiratet. Er sagte zu ihr: „Ich habe mich in dich verliebt und möchte, dass du meine Frau wirst." Die Prinzessin aber war darüber sehr erschrocken und entgegnete, wir passen nicht zusammen, ich bin eine Kinderprinzessin und du ein erwachsener Zauberer – das geht nicht, denn hier ist Kinderland. Der Zauberer hat sie dann böse angesehen und gesagt, ich werde in Zukunft das Kinderland beherrschen. Er sah in sein Zauberbuch, nahm seinen Zauberstab, richtete ihn auf das Schloss und rief eine Zauberformel in den Himmel:

„Huiii, ihr Kinder alle,

ich bin der große Zampano,

der euch jeden Traum erfüllt.

Prinzessin ist jetzt ohne Macht,

nur ich, der große Zauberer,

euch glücklich macht!"

   Im Nu war das ganze Schloss in Zucker gegossen, aus Äpfeln wurden Smartis, aus Gemüse wurden Schokoküsse und aus gesundem Brot Schokoladenwaffeln. Aus dem Springbrunnen, aus dem vorher noch gesunder Obstsaft sprudelte, sprudelte nun Zuckerwasser. Die Kinder im Schloss haben alle gejubelt. Juhuuu! Juhuuu!

   Der Zauberer gab ihnen all’ das was sie sich immer gewünscht haben – nur Süßes. Niemand mehr von ihnen hörte auf die Prinzessin. Nach einiger Zeit jedoch bekamen die Kinder plötzlich Bauchweh, ihre Zähne faulten und begannen auszufallen, ihre Haare hatten keinen schönen Glanz mehr und ihre Fingernägel begannen zu brechen. Die Prinzessin war darüber sehr traurig, denn sie wollte ja immer für ihre Kinderbewohner im Schloss das Beste.

   In ihrer Not, und um die Kinder zu retten, ist sie in die Berge gegangen. Hoch oben, am höchsten Gipfel des Kindergebirges, in einer prunkvollen Höhle, die aus funkelndem Bergkristall bestand, lebte ein Kinderprinz, der ein Freund aller Tiere war, weil er - was kein Erwachsener vermochte - ihre Sprache verstand, und so mit ihnen reden konnte. Man nannte ihn den schönen Prinzen der hohen Berge. Gleich neben dem Feuer speienden Vulkan, der alles verbrannte, was Böse war, in dem man alles reinwerfen konnte was man nicht mag, Streit zum Beispiel, böse Worte, Angst und schlechte Träume, Sorgen - und der den Prinzen und alle Kinder beschützte. Bei ihm suchte die Prinzessin Hilfe und Rat.

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