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RADIO LORA  Bernhard Ganter Lesung "Anke, das ewige Mädchen" (Studioaufzeichnung).  Wird am 27. Dez. 2007, 17-18 Uhr, in der Reihe Aspekte gesendet. mehr

Bayerischer Rundfunk, Bayern 2 - Sendereihe 1 zu 1 - Bernhard Ganter in "Gespräche unter 4 Augen - Der Talk" mehr: Podcast                                                                                                                                                   

Anmoderation

 Außenseiter,  Loser, Antihelden, sind Bernhard Ganters bevorzugte Protagonisten und Themen in seinen Romanen und Erzählungen. Mich interessieren Menschen, die unten sind in unserer Gesellschaft, die nicht Wahrgenommenen, sagt Bernhard Ganter. Er erzählt von Menschen und Orten also, wo seelische Wehrlosigkeit stattfindet, Lebensgeschichten fernab der Glitzerwelt von Happyends. Seine literarische Welt  ist vielmehr von den nicht wahrgenommenen Ruinen in unserer Gesellschaft geprägt. Eine große Tageszeitung charakterisierte Bernhard Ganter so: ein unangepasster Autor mit Brüchen, der sich mit Geheimnissen seines Lebensweges umgibt. Bekannt ist: bereits als Minderjähriger riss er aus dem Elternhaus aus und  lebte zuerst als Straßenkind in Hamburg, dann in Kopenhagen, Amsterdam, Brüssel und Paris, immer mit dem Ziel, zu schreiben. Begonnen hatte alles mit Fix & Foxi , Captain Future, Bayerischer Fernseh-Leo und Bussibär Märchen (über 2000 Storys die er schrieb). Ein intellektueller Abenteurer ist er zeitlebens geblieben, für Kinder und Erwachsene. Wer also ist Bernhard Ganter? Ich bin ein Lebewesen unter Milliarden anderer Lebewesen auf unserem Raumschiff Erde, deren Bestimmung das Sein, und das Vergängliche ist, sagt er, nicht mehr, aber auch nicht weniger.  

Süddeutsche Zeitung  Kultur 10. Okt. 2007                                                                                                                              Nachgefragt  - Interview  Sabina Dannoura  

Der Schriftsteller Bernhard Ganter arbeitete für verschiedene Zeitungen, Journale und TV-Sender, schrieb mehrere Romane und Erzählbände sowie einen Lyrikband. Thriller und Geschichten ohne Happyend, dafür mit Freude am Skurrilen. Er hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau Henriette in der Nähe von München Im SZ-Gespräch berichtet er, wie er zum Schreiben kam.

 

 

SZ: Buben wollen Feuerwehrmann oder Lokomotivführer werden. Sie geben als ihren frühesten Berufswunsch Schriftsteller an. Wie kam es dazu?

Bernhard Ganter: Mich haben schon in der Schule die Geschichten von Jack London fasziniert. Wir mussten Aufsätze schreiben, wie „Mein schönstes Ferienerlebnis". Ich bekam immer schlechte Noten, nicht wegen der Grammatik, sondern weil mir die Lehrer meine Geschichten nicht glaubten. Sie rügten mich wegen meiner Lügen. Heute weiß ich, dass auch die Lüge wahr ist. Tagtäglich lügt sich der Mensch - mich eingeschlossen - selbst an. Wahrheit verdrängt die Phantasie, wie wir die Welt gerne hätten. Das hat mich immer fasziniert, das ist für mich Literatur, mein Freiraum, meine Glückseligkeit - im Guten und im Schlechten. Die Auseinandersetzung damit ist unheimlich spannend. Zwei Menschen finden sich, schwören sich Liebe, und irgendwann ist es vorbei. Ist das eine zukunftsferne Lüge, wenn man die Wahrheit als Lüge, und die Lüge als Wahrheit endgültig bestimmt? Niemand weiß es. Die Lüge, wie immer sie auch aussieht, ist alltäglich, bestimmt unser Leben. Darüber zu schreiben ist für mich Passion, Ich bin kein Hobbyschriftsteller, der sich auskotzen muss, ich nehme den Beruf des Schreibers ernst - Beruf aus Berufung, Schreiben als Lebensinhalt.

SZ: Und wann haben Sie als Autor ihr erstes Geld verdient?

Bernhard Ganter: Sehr früh. Vor 30 Jahren habe ich meinen Lebensunterhalt mit 2000 Fix und Foxi-Geschichten und Bussi Bär-Märchen gesichert. Keine Sprechblasen, sondern erfundene Geschichten. Anfänglich habe ich zum Beispiel mehr als 800 Kurz-Krimis für die Illustriertenpresse unter dem Pseudonym Brun Edward Schöller verfasst. Na ja, von nur einem Buch kann man nicht leben, dazu braucht es schon mehrere auf dem Markt..  Aber keine Lyrik, so sehr ich sie mag: Gedichte sind unverkäuflich.

SZ: Kennen Sie eigentlich Schreibblockaden? Wie fühlen Sie sich vor einem Stück weißen Blatt Papier?

Bernhard Ganter: Natürlich hat man als Autor auch Schreibblockaden, da kommen massive Ängste auf. Ich sehe das weiße Blatt Papier und beginne einen Diskurs mit ihm. Weiße Seiten haben so etwas Anklagendes an sich, zumin­dest empfindet das der Schreiber so. Ich rede dann mit dem Papier, was ich tun, was ich schreiben soll. Der Schriftsteller hat ja ein Sendungsbewusstsein - aber was ist schon bewusst? Bei mir findet ein tagtäglicher Kampf mit weißen Blättern statt, da habe ich zumindest eine Zensur in meinem Kopf.

Interview: Sabina Dannoura

Ein Thema abarbeiten (Textauszug SZ)

Doch auch dem Leser reicht eine gute Idee nicht aus. „Man muss bei dem Thema merken, dass es dem Autor ein echtes Anliegen ist", erklärt Helma Dietz vom „Modern Studio Freising". Arwed Vogel unterstreicht: „Zu einem inter­essanten Buch gehört es, dass man spürt, dass der Verfasser mit seiner Persönlichkeit dahinter steht, sich an dem Thema quasi „abarbeitet". Dabei gebe es keinerlei inhaltlichen Einengungen, nicht einmal stilistische. Diese Erfahrung hat auch der Schriftsteller Bernhard Ganter gemacht. „Das Thema ist nicht das Wesentliche. Man soll sich einen Stoff vornehmen, der einen anspringt." Ganter hat mit „Herzlos" (1995) einen Erfolgsroman über  skrupellose  Machen­schaften krimineller Organhändler verfasst, im Jahr 2003 erschien ,,Das Jahr der Rosen", in dem die heile Welt eines Mannes nach der Vergewaltigung seiner Frau zerbricht. Er habe vorher viel mit Frauen über Vergewaltigung diskutiert, sagt Ganter, „aber aus Sicht einer Frau hätte ich das Buch nie geschrieben", das wär nicht überzeugend gewesen. SZ, Sabina Dannoura

 

TZ (Münchner Tageszeitung) die Seite 3, Wochenende 6./7. November 1999                                          BGanter@t-online.de  www.bernhard-ganter.de

 

Serie zur Jahrtausendwende: 100 Jahre – 100 Münchner Köpfe, Jahrhundertgeschichten. Heute: Schriftsteller Bernhard Ganter, Jahrgang 1944

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von Florian Eder

In seinen Jugendjahren reiste er jahrelang durch Europa, lebte in Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen und Paris. Wieder daheim, änderte Bernhard Ganter sein Leben: Er ging zur Schule, machte das Abi nach, studierte Literaturgeschichte, schrieb Bücher und wurde – in jeder Beziehung – außergewöhnlich sesshaft. In einem ist der Rebell sich dabei immer treu geblieben. Er misstraut Versprechungen vor allem aus Politikermund. Denn er sagt: „Es gibt keine bessere Welt"

Ein Skeptiker, dieser Mann. Einer, der dieser Welt nicht traut. Bernhard Ganter ist Schriftsteller, und in seinen Büchern gibt es kein Happy End, „wie im Leben", sagt er. „Es gibt keine bessere Welt, und wer die schaffen möchte, dem misstraue ich." Von wegen zivilisierte Gesellschaft, meint Ganter: „In gesetzfreien Räumen, wie in Kriegen, verlieren Menschen die Kultur, es wird gemordet und vergewaltigt. Schauen Sie sich derzeitige Kriegsgebiete an! In der Masse gibt's keine Humanität, keine Menschlichkeit. "Vor allem nicht, wenn sie Politiker sind. Menschen, die Bernhard Ganter bewundert, sind sicher keine Politiker, denn die sind „in erster Linie auf ihren eigenen Vorteil aus, Populisten zum eigenen Machterhalt". Seine Jahrhundert-Persönlichkeit ist Günter Grass. Nicht, weil nach dem Nobel-Preis alle über ihn reden. „Er gefällt mir, weil er ein unangepasster Mensch ist, der sich reibt."

Unangepasst war Bernhard Ganter auch. Schon als 15jähriger riss er von zu Hause aus. Er ging weg von München, weg von daheim und zog in halb Europa herum. Bernhard Ganter lebte in Hamburg, dann in Kopenhagen, Amsterdam, Brüssel, Rom, Neapel und Paris: „Ich bin in die Hippie-Generation hineingewachsen, dann in die 68er. Damals zählte ja nur das Geld und dagegen haben wir uns gewehrt." Das Geld wird auch heute viel zu wichtig genommen, sagt er: „Wir leben in einer verschleierten Kapitaldiktatur und Lobbyistendemokratie. Wenn mich etwas ärgert, dann rede ich nicht, dann tue ich was", sagt Bernhard Ganter. Als die Republikaner vor ein paar Jahren ihre Erfolge hatten, gründete er eine Interessengemeinschaft gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Seine „Charta Europa/ Charta 90" haben viele von Ganters Freunden unterschrieben, haben ihren Beitrag für das Buch „Wider den Hass" geleistet: Vaclav Havel, Aenne Burda, Michael Ende, Max Colpet (sag mir wo die Blumen sind - gesungen von Marlene Dietrich), um nur ein paar zu nennen.

Schreiben wollte Bernhard Ganter schon früh. Er führte Tagebuch, verfasste Gedichte und Erzählungen. Nichts, auf was man heute stolz sein müsste. Aber schämen muss man sich auch nicht für die eigenen Anfänge. Wieder zu Hause in München, nach den Wanderjahren, holte der gut 20-Jährige das Abitur nach. Studierte und schrieb nebenbei. Den monatlichen Unterhalt sicherte sich Bernhard Ganter später mit Fix und Foxi und Bussibär-Märchen, Kurzkrimis für Illustrierte. Er schrieb die Story zu über 2000 Folgen des Comics. Da traute man ihm oft den seriösen Anspruch gar nicht zu* den er an sich stellte. „Es war ein großer Sprung, als ich mit Fix und Foxi aufhörte", erinnert er sich. Ganters Lebenswerk umfasst heute Erzählungen, Gedichte, u.a. die Romane „Das Jahr der Rosen" „Der Tunnel", und „Herzlos" mittlerweile zum Longseller avanciert – die Geschichte gibt es jetzt auch als Hörbuch auf sechs Kassetten. „Das war eine Heidenarbeit" erinnert sich Ganter, der den Text selber gesprochen hat: „Über 40 Stunden Aufnahme."

Es gibt Brüche in Bernhard Ganters Leben. Aber auch die haben eine Linie, sind fast Programm. Heute ist das Leben des Schriftstellers ungefähr so, wie man es sich vorstellt: Er trinkt im Bett eine Tasse Kaffee, die ihm seine Frau Hetti bringt, raucht eine Pfeife dazu und denkt schon mal über die Arbeit des Tages nach. „Manchmal kommt es vor, dass ich dann aufstehe und schnell ein, zwei Sätze ändern will - und auf einmal finde ich mich um vier Uhr nachmittags, immer noch in der Unterhose, vor dem Computer." Hetti und Bernhard lernten sich vor 30 Jahren kennen, erzählt der Schriftsteller. In einer kleinen Kneipe am Waldfriedhof. Die 16-Jährige wurde die Frau seines Lebens: „Liebe auf den ersten Blick." Die beiden heirateten gleich - „mussten wir", lächelt Bernhard Ganter. Manuela war schon unterwegs, Kay folgte ein Jahr darauf. „Zwei pfundige Kinder, die ich liebe", sagt der stolze Vater. „Ein Abenteurer", beschreibt sich Bernhard Ganter, schon als Kind: Jack London habe ich gefressen." Die Abenteuerlust trieb ihn um, das ganze Leben lang. Heute lebt sie vor allem in den Büchern des 55jährigen. „Die Geschichten die ich nicht erleben kann, die schreibe ich. Papier, das brauche ich zum Leben."

Text und Fotos von Florian Eder

 

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 Danke für die Rosen!
Bernhard Ganter liest aus seinem Buch „Das Jahr der Rosen“

Schwabing, wie es einmal war: in den Redaktionsräumen von isarbote.de  lebt der alte (und doch so zeitlose) Geist wieder auf.
Meint nicht nur Schriftsteller Bernhard Ganter, der dort eine begeistert aufgenommene Lesung bei ca. 60 Zuhörern aus seinem jetzt auch im Lerato Verlag als Taschenbuch erschienenem Werk „Das Jahr der Rosen“ abhielt.
Richard Wagner von Rosenspur lieferte dazu die erlesenen Weine, Kult-, Leib-, Magen- und Seelenbäcker Martin Schönleben kreierte extra ein Rosengebäck, Rosen auch für Andrea und Peter Pollak von Bernhard Ganter: „isarbote erinnert mich irgendwie immer an das alte, längst verstorbene Schwabing – wo sich einst Künstler jeden Genres heimisch fühlten. Macht weiter so!“ Natürlich! Keine Frage. Auch Sängerin Bibi Johns und Zauberer und Ex-Leiter des Sachgebietes Spielwesen beim Bayrischen Landeskriminalamt und der einzige öffentlich bestellte und beeidigte Sachverständige für Falschspiel und unerlaubtes Glücksspiel Peps Zoller fühlten sich sofort heimisch, Karikaturist Franz Eder war begeistert – und schenkte bzw. zeichnete eine Rose für das Gästebuch. So wie auch Bibi Johns und Bernhard Ganter längst schon freiwillige und freudige Opfer seiner inspirierten Feder geworden sind.
Als Bernhard Ganter aus seinem Buch vor ca. 60 Zuhörern zu Lesen begann, zeigte sich schnell, welch einfühlsamer und wortgewandter Schriftsteller er ist. Sofort waren die Leser in Bann gezogen von dem Thema, das ein schwieriges ist, aber von Bernhard Ganter kongenial in Szene gesetzt wird. Ein Mann versucht, die Vergewaltigung seiner Frau zu rächen. Seine Obsession mit der Untat zerstört aber nach und nach mehr als nur den Täter. Übrigens, Bernhard Ganter wurde in der
tz-Serie, anlässlich der Zeitdokumentation „Jahrtausendwende 2000 - hundert Jahre, hundert Münchner Köpfe" (von 1900 – 2000), auf Seite 3 als wichtige Persönlichkeit seiner Zeit porträtiert. Und noch mal übrigens: Man war sich darüber einig, dass 1. das Buch von Bernhard Ganter eine wunderbare Sache sei, 2. dass man sich bald in diesem oder einem ähnlich harmonischen Kreise wieder sehen müsse, was 3. die Macher von isarbote.de als Verpflichtung und besonderes Vergnügen betrachten –
denn eine Rose ist eine Rose ist ein Rose!

www.isarbote.de  Ihre Netzzeitung für München & Bayern  Ausgabe Sonntag 9. Januar 2005

Buch der Woche

Ein Leben wie ein Buch, bzw. Bücher sind sein Leben -  PresseTeam Pollak/ Andrea & Peter Pollak

                                                 Schriftsteller Bernhard Ganter

Die ganze Welt ist sein Zuhause, auch wenn der Schriftsteller Bernhard Ganter inzwischen mit seiner Frau Henriette ganz gerne das Leben in der Nähe von München genießt. Heuer im März ist er übrigens 35 Jahre mit seiner Jugendliebe und Traumfrau zusammen. Mit 15 Jahren hielt es der junge Ganter nicht mehr in München aus und ist kurzerhand ausgerissen - damals ein Aufsehen erregendes und auch ziemlich unfassbares Ereignis. Doch der Halbwüchsige wusste, was er wollte. Und ging seinen Weg. Die Metropolen Europas - Paris, Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam - wurden sein Revier. Nach verschiedenen Aktivitäten als Krabbenfischer, Testfahrer und Kneipenbesitzer arbeitete er als Journalist für verschiedene Zeitungen und Journale, außerdem als Chefredakteur der Zeitschrift „Scala". Auch als freier Mitarbeiter beim Bayerischen Fernsehen war er tätig „Zeitspiegel". Schreiben war und ist sein Ziel und sein Leben. Mit dem Bestseller „Herzlos" sorgte Bernhard Ganter für Aufsehen und Furore. In dem hochbrisanten Thriller über die Machenschaften krimineller Organhändler nennt der Autor die Dinge schonungslos beim Namen -und noch während der Arbeit an dem Buch hatte er ein einschneidendes Erlebnis, welches ihm verdeutlichte, wie gefährlich das organisierte Verbrechen ist. Während seiner Recherche wurde ein ihm nahe stehender neapolitanischer Polizeioffizier von der Camorra erschossen. Auch dessen Familie wurde ein solches Ende angedroht. PEN-Club-Mitglied Ganter flog die Familie aus Italien aus und versteckte sie über ein halbes Jahr lang in Deutschland. Übrigens: Neuauflage HERZLOS im April 2005 im K. Bielefeld Verlag - Friedland

Die Süddeutsche Zeitung schrieb über Ganter: „Bernhard Ganters literarisches Genre ist angesiedelt im absurden Realismus. Und von wegen: Die Wahrheit ist irgendwo dort draußen - die Wahrheit und das Leben sind in den Büchern von Bernhard Ganter. Unbedingt lesen - beziehungsweise auf jeden Fall und immer ein Gewinn!

Weitere Porträts demnächst hier/ Süddeutsche Zeitung/Münchner Merkur/ Freisinger Tagblatt u.v.a.m.