links: Bernhard Ganter by Xinhua News TV - Nachrichtensendung landesweit

 

Meine Reise ins Reich der Mitte

ich habe ein anderes China kennen gelernt, als es mir von westlichen Medien gezeigt wurde - ich habe ein positives China kennen gelernt.  Fotos am Ende der Seite. Click my Chinese book   Kontakt: b.ganter@mnet-mail.de - Homepage: www.bernhard-ganter.de

der Artikel ist erschienen im

Freisinger Tagblatt/ Münchner Merkur, 8. Aug. 2008

7. Dez. 08 in der Netzzeitung isarbote.de, donaubote.net, rheinbote.net,  spreebote.net und alsterbote.net - Abendzeitung München, ganzseitiger Report. Weitere Veröffentlichungen: M-Dialog (Airport GmbH Journal München), Forum Freising und Münchner Rundschau.

 

 

Was mich in China erwarten sollte:

Die chinesische Übersetzung meines Romans „Herzlos – die Geschichte einer skrupellosen Organmafia", ist in China by Qun Zhong Publishinghouse Beijing, erschienen (all Rights by Verlag für China, Hongkong, Taiwan an Macao). So wurde ich als Schriftsteller und Journalist von der chinesischen Schriftstellerunion nach China (Shanghai und Beijing) eingeladen. Ich war Gast meines dortigen Verlages. Ich hielt Vorträge und Lesungen vor chinesischen Germanistik-Studierenden, war Gast der größten Chinesischen Nachrichtenagentur XINHUA. Natürlich erzählte ich meinen deutschen Freunden und Bekannten von meiner bevorstehenden Reise. Ich erhielt unqualifizierte Warnungen: Ich solle mich in acht nehmen. Ich würde dort von Geheimdiensten und Polizei bestimmt überwacht werden und meine Bewegungsfreiheit in China wäre sehr eingeschränkt. Welch' ein Blödsinn!

Was dann wirklich geschah: Ich habe in China viel über Toleranz gelernt. Ich zog allein auf mich gestellt jeden Morgen durch die Straßen Shanghais, durch die Straßen Beijings und den Vororten, fotografierte wie ein Besessener, sprach mit vielen Leuten auf der Straße und in Lokalen. Immer wieder hatte ich mich umgesehen, ob ich nicht doch beobachtet werde. Wo war der chinesische Geheimdienst, wo die gefürchtete Polizei? Nein – ich habe mich so frei bewegen können, so frei äußern können, so frei fühlen können, so wie ich mich in Deutschland als Autor und Journalist gar manches mal nicht bewegen und äußern konnte, ohne die Ressentiments westlicher Verhaltensweisen zu spüren. Es ist in Deutschland derzeit "in" gegen China zu sein und zahlreiche, so genannte Chinaexperten schießen wie Pilze aus dem Boden, oft giftige Pilze. Fakt ist: Ich habe in China viel weniger Polizei gesehen als in Deutschland. Nur einmal passierte es, als ich mir auf der Straße eine Pfeife angezündet habe, kam ein Polizist auf mich zu – er lächelte und sagte „Pipe good?" klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter und ging. In Deutschland gibt es ein Sprichwort: So wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück! Ich habe viel über Chinas Mentalität gelernt: Wer über China und seine Belange >Fair und Vorurteilsfrei< berichtet, dem wird auch >Fair und Vorurteilsfrei< begegnet. Und wer glaubt, ein Mikro-Staat wie Deutschland, könne einen Megastaat wie China beeinflussen, irrt gewaltig.

Warum dann das negative Bild Chinas? Natürlich werden westliche Journalisten kritisch beäugt. Natürlich gibt es manchmal Drehverbote. Was aus meiner,   und auch chinesischer Sicht,  verständlich ist. Kein Interview, keine Stellungsnahme bitte. Diese Slogans kennen wir doch auch in Deutschland von unseren Volksvertretern und Finanzbossen (erinnern wir uns an die Skandale bei der Deutschen Bank, bei Siemens und VW, um nur einige zu nennen - sind wir da als deutsches Volk wirklich richtig und ehrlich informiert? Da wird mit Politikern, Staatsanwaltschaften und Gerichten gemauschelt, Handel getrieben und im gleichen Atemzug über Menschenrechte in anderen Ländern debattiert, und unsere, so scheinbar alle glückselig machende Demokratie propagiert. Politikabhängige deutsche Medien haben es sich zur Aufgabe gemacht, hauptsächlich über die negativen Seiten Chinas zu berichten, die es natürlich in jedem Land gibt. Welches Land ist schon vollkommen? Kein Wunder, warum die Chinesen sehr vorsichtig mit ausländischen Medien umgehen. Es ist ihre schlechte Erfahrung mit westlichen Journalisten. Man misstraut der westlichen Presse – und das mit Recht, wenn ich westliche Berichterstattungen lese, sehe, höre. Wirft man der chinesischen Regierung Propaganda vor, so sei daran erinnert, dass wir im Westen (Deutschland) mit politischen Unwahrheiten, Verdrehungen, gewollten Übertreibungen und Unterdrückung realer Tatsachen, gar manches mal mit Hetz- und Schmähberichten in Zeitungen und TV gegenüber China überschüttet werden. Die positive Entwicklung Chinas wird nicht erwähnt. Westliche Selbstkritik von Politik und Medien findet in unseren Breitengraden nicht, oder nur selten statt. Noch immer träumen wir der Kolonialzeit hinterher. Damals mit Glaubenskriegen, wirtschaftlicher Ausbeutung und militärischem Diktat weltweit - heute mit doktrinären Vorstellungen. Alle haben in der Glückseeligkeit der westlichen Demokratie zu leben. Einer Demokratie übrigens, die hierzulande gewaltig zu bröckeln beginnt. Der Schritt, weg von der Demokratie, hin zur Oligarchie, ist in unserem Abendland längst vollzogen. Der Westen hat immer noch nicht sein Missionarstum aufgegeben – westliche Arroganz ist oft unerträglich - nur die politischen Mittel haben sich in der Moderne geändert, verfeinert.

Fazit: Jedes Land hat das Recht, sich eigenständig und ohne fremde Einmischung zu entwickeln. China braucht den Westen, das westliche Politikverständnis nicht, aber der Westen braucht China. China hat sich uns geöffnet, begreifen wir das als Chance. Ich habe ein zufriedenes, gastfreundliches Volk kennen gelernt. Ich habe tolerante Menschen kennen gelernt – manchmal viel toleranter als wir Deutschen es sind. So gibt es Religionsfreiheit, überall Kirchen (evangelisch und katholisch, gibt es Moscheen und buddhistische Tempel). Minderheiten werden gefördert, heißt auch, die Ein-Kind-Ehe gilt für Minderheiten nicht. Ich habe die chinesischen Menschen als liebenswertes, weltoffenes Volk kennen und schätzen gelernt - weltoffener als wir Europäer. Die chinesischen Menschen schätzen und mögen uns Deutsche sehr und sind bemüht, Freundschaft mit uns zu haben – wir Deutsche sollen es ihnen gleich tun. Wir sollten die ausgestreckte Hand nehmen, die uns gereicht wird. Wir im Westen müssen lernen, den Chinesen fair zu begegnen so wie auch wir Fairness von Chinesen verlangen. Wir brauchen keine Feindbilder in der Welt, wir brauchen Freunde um uns gemeinsam weiter zu entwickeln. Wir sollten auch unsere westliche Propaganda immer hinterfragen, dann sind wir stets gut beraten.

ABENDZEITUNG MÜNCHEN Report (Freitag 10.10. 2008) veröffentlichte Bilder am Ende der Berichte

Von Chefreporter der AZ Fritz Janda  "Von Schwabing nach Shanghai"

Eine chinesische Studentin entdeckt den Schriftsteller Bernhard Ganter – jetzt hat er im Reich der Mitte hunderttausende Leser.

  Nie im Leben hätte ich geglaubt, dass ich mal nach China komme, dort im Fernsehen groß interviewt werde und meine Bücher in chinesischer Sprache gedruckt  werden.“ Der Münchner Autor  Bernhard Ganter staunt immer noch: „Ich glaub’s  fast jetzt noch nicht, was ich in diesen Tagen alles erlebt habe“. Wie wird ein Münchner Schriftsteller – der am liebsten über Loser und Außenseiter schreibt – zu einem Literatur-Star in China? Das begann ganz zufällig“, erzählt Ganter. „Eine Literaturstudentin der Zhejiang Universität in Hangzhou, Xianguo Zhong, hatte auf einer englischen Internetseite Auszüge meines Romans „Herzlos“ gelesen, fand das Thema interessant und schrieb mir eine E-Mail.“ Der Thriller „Herzlos“ von 1995 (Lübbe Verlag) beschreibt  die kriminellen Machenschaften  der internationalen  Organhändler-Mafia. Wie skrupellos es in diesem Gewerbe zugeht, erlebte Ganter hautnah: „Bei meinen Recherchen in Italien wurde ein mir nahestehender neapolitanischer Polizeioffizier , der mir viele Interna über die Mafia  gegeben hatte, von der Camorra erschossen. Als seiner Familie das gleiche Schicksal angedroht wurde, hab’ ich die Frau und ihre Kinder in Deutschland versteckt.“

  Er war schon Wirt, Krabbenfischer und auch Testfahrer

Abenteuerlust  hat Ganters Leben bestimmt, mit 16 ging er weg aus München. Als Krabbenfischer, Testfahrer, Kneipenwirt trieb er sich quer durch Europa. „Ich bin  in die Hippie-Bewegung hineingewachsen, dann in die 68er“ sagt er. „Geld sagt mir noch heute nichts über den Wert eines Menschen.“ Mit 20 kam er wieder heim und holte sein Abitur nach. Er wollte Schriftsteller werden – was ihm erfolgreich gelungen ist (siehe Kasten).

   Von Schwabing nach Shanghai und Peking ist es für einen Münchner Autor dennoch ein weiter Weg. „Das“ lacht Ganter, „ging dann aber ganz schnell. Zu meiner chinesischen Chatfreundin Xianguo hatten sich bald viele junge Chinesen im Internet gefunden.“ Zwischen München, Shanghai und Peking debattierten  sie oft stundenlang , „auch politisch so offen, dass ich gestaunt habe.“ Xianguo arbeitet inzwischen für eine internationale Stiftung als Koordinatorin für Ostasien. Sie knüpfte für ganter die ersten Kontakte zu einem der größten  Verlage Chinas, dem Qun Zhong Publishinghouse in Peking. „Die haben sich zu meiner größten Überraschung sofort die Rechte  für meinen Roman „Herzlos“ gesichert.“ Bald trafen die ersten Korrekturseiten des Buches auf chinesisch in München ein. „Ich konnte kein Wort davon lesen“, lacht Ganter, „aber schön schauens schon aus. Und ein Bisserl stolz bin ich halt auch drauf.“

   Zur chinesischen Buchpremiere folgte prompt eine Einladung des Verlages ins Reich der Mitte. Was würde ihn dort erwarten? Freunde und Bekannte warnten ihn. Ganter: „Nimm dich bloß in Acht, sagten sie. Über jedes Wort wacht dort die Zensur, Tag und Nacht werden dich Geheimpolizisten und Spitzel überwachen!“

   Und? Ganter: „Absoluter Blödsinn. Gut, ich war zwar fast so eine Art Staatsgast mit Unterkunft in 5-Sterne Hotels und Chauffeur in Stretch-Limousine. Aber bei Interviews mit Chinas großer Nachrichtenagentur Xinhua, im staatlichen Fernsehen, bei Lesungen und Diskussionen mit Studenten wurde so frei und offen debattiert, wie selbst bei uns nur selten.“

   Ganter hat sich nicht ans offizielle Programm gehalten: „Jeden Morgen bin ich allein losgezogen durch die Städte und Vororte. Anfangs mit einem mulmigen Gefühl. Folgt mir einer ganz `unauffällig´ ? Aber nein, nie. Ich konnte fotografieren, was ich wollte, reden, mit wem ich auch wollte. Nur einmal, als ich mir gerade auf der Straße eine Pfeife anzündete, kam ein Polizist auf mich zu. Doch der lächelte nur „Pipe good?“ und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter.

  Natürlich, räumt Ganter ein, gibt’s in China auch Zensur. „Aber bei uns auch, kleines Beispiel: Als ich vor Jahren  für das Werbefernsehen des Bayerischen Rundfunks die Spots mit dem BR-Löwen Leo drehte, hatte ich eine Szene, in der jemand eine Pressspanplatte verbrannte. Und Leo, der immer etwas erzieherisch Wertvolles von sich geben sollte, mahnte: „Niemals verbrennen, diese Platten sind hochgiftig!“ Der Spot flog aus der Sendung. Begründung des BR: „Wir können doch nicht die Möbelfabrikanten unter unseren Werbekunden verprellen!“

  Welche Eindrücke hat er aus China mitgebracht? Ganter: „China ist ein Land im Aufbruch, im Wandel. Im Zentrum einer Großstadt finden Sie dieselben Marken wie bei uns – von Coca Cola bis H & M und Armani. China hat sich erstaunlich dem Westen geöffnet. Das sollten wir anerkennen – und als Chance nutzen.“

  Denn, so hat er gelernt: „Die Chinesen sind stolz auf ihre Jahrtausende alte, eigenständige Kultur und auf ihren neuen Stellenwert in der Welt. Das haben die olympischen Spiele gezeigt. China braucht heute den Westen, das westliche Politikverständnis nicht, aber wir Europäer China.

  Das hat ihn auch ein alter, grauhaariger Herr bei  Morgentee in einem kleinen Pekinger Vorstadtlokal gelehrt:  „Ihr Europäer nennt uns die gelbe Gefahr. Warum nur? Wir haben doch immer mehr die weiße Gefahr zu fürchten gehabt. Haben wir Chinesen in Europa, oder sonst wo Kolonien errichtet, euch unterdrückt und ausgebeutet, so wie wir auch in Amerika unterdrückt und ausgebeutet wurden ( Beispiel beim Eisenbahnbau). Nein, nie. Ihr aber uns. Überall in der Welt stehen heute westliche  Armeen, führen westliche Kriege und wollen uns lehren, westlich zu leben. Wir wollen das nicht. Wir wollen chinesisch leben.“ Ein Standpunkt, dem Ganter wenig entgegenzusetzen hatte: „Ich verstehe jetzt besser, warum viele Chinesen auf Kritik von außen gereizt reagieren. Das sollten wir begreifen.“

  Das moderne Selbstverständnis Chinas demonstrierte ihm etwa der Chef der größten Nachrichtenagentur  Xinhua, der nur lächelte, als Ganter ihn auf das Fernbleiben von Kanzlerin Merkel bei der Eröffnung der Olympischen Spiele  ansprach: „Die weit überwiegende Anzahl aller Staatsmänner aus dem Westen war aber hier. Auch der Westen braucht heute China. Unsere Kontakte zu den großen westlichen Industrieunternehmen werden immer enger. Da wird Frau Merkel nicht für immer fernbleiben wollen.“

  Ganters Roman „Herzlos“ liegt inzwischen in chinesischer Fassung vor  - eine Premiere. Weitere Ganter-Bücher werden in Kürze folgen. 

Bernhard Ganter im Gespräch mit Deputy Director Huang Yong (Xinhua News/ Nachrichtenagentur Beijing)

größte Nachrichtenagentur Chinas, drittgrößte Nachrichtenagentur weltweit.

 

Eine kleine Reisegeschichte

Ich saß eines Morgens, um sieben Uhr früh, in einem kleinen Lokal in Beijing, dort wo Arbeiter, einfache Leute verkehren. Mir gegenüber saß ein alter Mann mit grauem Haar und lichtem Bart. Wir hatten zusammen Tee getrunken. Er sah mich an und erkannte mich als Ausländer. Sinngemäß sagte er zu mir: „Ihr Europäer habt immer Angst vor uns, nennt uns die gelbe Gefahr. Ich war Seemann und habe die Welt gesehen. Warum habt ihr so große Angst vor uns Chinesen? Die weiße Gefahr war für uns Chinesen immer schlimmer, wir haben darunter sehr gelitten. Wir waren nie bei euch, aber ihr Europäer immer bei uns – wir haben gegen euch nie Krieg geführt, aber ihr gegen uns. Wir haben die Kolonialzeiten, in denen wir von Europäern domestiziert wurden, nicht vergessen. Wir Chinesen haben in Europa auch keine Kolonien gegründet, haben euch nie ausgebeutet und unterdrückt, aber ihr uns. Ihr redet oft unwahr über mein Land ohne das Wissen zu haben. Im gleichen Atemzug wollt ihr gute Geschäfte mit uns machen, wie passt das zusammen? Das ist der Unterschied. Sehen Sie sich die heutige Welt an, überall auf unserem Planeten westliche Soldaten, westliche Kriege, amerikanische, europäische – sie alle wollen uns lehren westlich zu leben. Wir wollen das nicht – wir sind Chinesen, und wir wollen Chinesisch leben, das ist unsere über 5000jährige Kultur. Aber bitte, mein Herr, zeigen Sie mir heute ein einziges Land auf unserer Erde, wo chinesische Soldaten stationiert sind. Sie werden dieses Land nicht finden. Wenn Sie nach Deutschland zurückkehren, fragen Sie Ihre Landsleute ob sie mir was anderes entgegnen können?"

Anmerkung des Autors: mein Gesprächspartner war ein einfacher Mann, er war wie du und ich, wie wir, die mit harter Arbeit unseren Lebensunterhalt verdienen müssen. Und doch war dieser alte Mann für mich ein großer Mensch, ein liebenswerter und weiser Mann.                                                                                               BG

 

Bernhard Ganter zu Gast bei der Chinesischen Schriftstellerunion (Chinese Writers'Association) v.l.n.r. Liu Xiangping (zuständig für auswärtige Angelegenheiten) - Dolmetscherin - Director Chen Jiangong - Bernhard Ganter - Xianguo Zhong, meine Literaturagentin

 Xianguo Zhong, Literaturagentin  in China/ Shanghai.

unten: Lesung vor Germanistik-Studentinnen in Shanghai

Zum Artikel der AZ, siehe Kasten: